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Wer neu beginnt, hofft, dass im neuen
Abschnitt manches besser wird als bisher Der Beruf möge weniger
stressig sein, Erfolge sollten aber nicht ausbleiben. Privat wird
Frieden gewünscht, Langeweile darf hingegen nicht aufkommen. Mancher
nimmt sich mehr Pünktlichkeit vor, der andere strebt Gelassenheit an.
Nicht alles lässt sich durch eigenes Handeln bewirken, vieles muss
erhofft werden.
Neujahr
In einem Neubeginn liegt vieles verborgen: viele Hoffnungen, viele
Vorsätze. Vielleicht ist das der Grund, warum die Kirche dem 1.
Jänner eine Vielzahl an Festtiteln gegeben hat. Bekannt ist dieser
Tag zunächst als "Neujahr". Er markiert damit einen neuen
Anfang. Das alte Jahr bleibt zurück, es wird in die Hände Gottes
gelegt. Ein neuer Zeitabschnitt hat begonnen. Mit der Feier am Beginn
des neuen Jahres soll deutlich werden, dass wir jedes Jahr, ja jeden
Tag, aus der Hand Gottes empfangen.
Oktavtag von Weihnachten
Als 8. Tag (Oktavtag) nach Weihnachten beendet der 1. Jänner aber
gleichzeitig eine Woche, die in besonderer Festlichkeit der
Menschwerdung Gottes gewidmet ist. Gott verbindet sich mit uns
Menschen auf untrennbare Weise. Die Welt ist eine andere, eine neue
geworden. Sie ist eine Welt, in der Gott als Mensch mitten unter den
Menschen lebt. Mit dem 1. Jänner kann daher die Hoffnung verbunden
sein, dass Gott die Welt so radikal auf den Kopf stellt, wie er es mit
seiner Menschwerdung getan hat.
Hochfest der Gottesmutter Maria
Seit knapp 40 Jahren handelt es sich zu Neujahr um jenen Festtag, an
dem vor allem die Gottesmutter verehrt wird. Die Kirche feiert mit
Maria den Menschen, der Gott zur Welt gebracht hat. Der Titel
"Gottesmutter" nimmt ausschließlich Bezug auf das besondere
Verhältnis zwischen Maria und Jesus. Von diesem Verhältnis her
gewinnt sie ihre Bedeutung. Sie ist die Mutter Gottes geworden. An ihr
wird konkret sichtbar, was für die Kirche insgesamt gilt: Gott wird
durch Menschen, besonders bei der Feier der Sakramente und beim Dienst
an den Nächsten, zur Welt gebracht. Wenn am 1. Jänner die
Gottesmutter gefeiert wird, dann bringt die Kirche ihren Glauben zum
Ausdruck, dass Gott in ihr zur Welt kommt, und fasst den Vorsatz, das
eigene Tun daran auszurichten.
Namensgebung Jesu
Das Tagesevangelium berichtet von der Beschneidung und der
Namensgebung Jesu, die am 8. Tag nach seiner Geburt stattgefunden
haben. Dieser Aspekt prägte bis zur letzten Liturgiereform vorwiegend
den Charakter dieses Tages. Maria und Josef tun, was ihnen vom Engel
aufgetragen ist, und geben dem Erlöser den Namen Jesus. Ein Name
drückt Individualität aus. Wer einen Namen hat, ist ansprechbar. Mit
dem neuen Jahr verbindet sich daher bei Christen auch der Vorsatz,
Jesus immer wieder anzusprechen, ihn bei seinem Namen zu rufen, zu ihm
zu beten.
Weltfriedenstag
Seit 1967 begeht die Kirche am Neujahrstag auch den Weltfriedenstag.
Bei der Geburt Jesu singen die Engel: "Auf Erden ist Friede bei
den Menschen seiner Gnade" (Lk 2,14). Friede braucht zwar das
entschiedene Handeln aller Menschen. Gleichzeitig ist er aber auch ein
Geschenk, das niemand selber machen kann.. Wenn am ersten Tag des
neuen Jahres Menschen für den Frieden beten, dann machen sie
deutlich, dass es ihrer guten Vorsätze ebenso bedarf wie des Handelns
Gottes.
Und was feiern wir nun am 1. Jänner?
Wie das Leben einem Geflecht aus vielen farbigen Fäden ähnelt und
ein neuer Faden das Ganze verändert, so wirkt sich auch ein Neuanfang
in einem Bereich auf das ganze Leben aus. Am 1. Jänner feiern wir
deshalb, dass Gott mit jedem Einzelnen immer wieder neu beginnt und
durch ihn die Welt verändert. Wer das Jahr unter den Segen Gottes
stellen möchte, der betet zum menschgewordenen Gott und bringt ihn
wie die Gottesmutter zur Welt. "Wo das geschieht, da geht Frieden
aus, den die ganze Welt nötig hat.
Peter Schipka
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