Peter Schipka bei der Messe beim Abschlussfest der Kommunionvorbereitung im Juni 2003 in St. Gabriel im Park

Ein übervoller 1. Jänner - Was feiern wir an diesem Tag?

Artikel von Dr. Peter Schipka aus der Jänner-Ausgabe 2008 von "Miteinander"
der monatlichen Zeitschrift des Canisiuswerkes - www.canisius.at
 

Wer neu beginnt, hofft, dass im neuen Abschnitt manches besser wird als bisher Der Beruf möge weniger stressig sein, Erfolge sollten aber nicht ausbleiben. Privat wird Frieden gewünscht, Langeweile darf hingegen nicht aufkommen. Mancher nimmt sich mehr Pünktlichkeit vor, der andere strebt Gelassenheit an. Nicht alles lässt sich durch eigenes Handeln bewirken, vieles muss erhofft werden.

Der 1. Jänner: seit der Liturgiereform das Hochfest der Gottesmutter Maria. Seit dem Konzil von Ephesus (431) bekennt die Kirche die Gottesmutterschaft MariensNeujahr
In einem Neubeginn liegt vieles verborgen: viele Hoffnungen, viele Vorsätze. Vielleicht ist das der Grund, warum die Kirche dem 1. Jänner eine Vielzahl an Festtiteln gegeben hat. Bekannt ist dieser Tag zunächst als "Neujahr". Er markiert damit einen neuen Anfang. Das alte Jahr bleibt zurück, es wird in die Hände Gottes gelegt. Ein neuer Zeitabschnitt hat begonnen. Mit der Feier am Beginn des neuen Jahres soll deutlich werden, dass wir jedes Jahr, ja jeden Tag, aus der Hand Gottes empfangen.

Oktavtag von Weihnachten
Als 8. Tag (Oktavtag) nach Weihnachten beendet der 1. Jänner aber gleichzeitig eine Woche, die in besonderer Festlichkeit der Menschwerdung Gottes gewidmet ist. Gott verbindet sich mit uns Menschen auf untrennbare Weise. Die Welt ist eine andere, eine neue geworden. Sie ist eine Welt, in der Gott als Mensch mitten unter den Menschen lebt. Mit dem 1. Jänner kann daher die Hoffnung verbunden sein, dass Gott die Welt so radikal auf den Kopf stellt, wie er es mit seiner Menschwerdung getan hat.

Hochfest der Gottesmutter Maria
Seit knapp 40 Jahren handelt es sich zu Neujahr um jenen Festtag, an dem vor allem die Gottesmutter verehrt wird. Die Kirche feiert mit Maria den Menschen, der Gott zur Welt gebracht hat. Der Titel "Gottesmutter" nimmt ausschließlich Bezug auf das besondere Verhältnis zwischen Maria und Jesus. Von diesem Verhältnis her gewinnt sie ihre Bedeutung. Sie ist die Mutter Gottes geworden. An ihr wird konkret sichtbar, was für die Kirche insgesamt gilt: Gott wird durch Menschen, besonders bei der Feier der Sakramente und beim Dienst an den Nächsten, zur Welt gebracht. Wenn am 1. Jänner die Gottesmutter gefeiert wird, dann bringt die Kirche ihren Glauben zum Ausdruck, dass Gott in ihr zur Welt kommt, und fasst den Vorsatz, das eigene Tun daran auszurichten.

Namensgebung Jesu
Das Tagesevangelium berichtet von der Beschneidung und der Namensgebung Jesu, die am 8. Tag nach seiner Geburt stattgefunden haben. Dieser Aspekt prägte bis zur letzten Liturgiereform vorwiegend den Charakter dieses Tages. Maria und Josef tun, was ihnen vom Engel aufgetragen ist, und geben dem Erlöser den Namen Jesus. Ein Name drückt Individualität aus. Wer einen Namen hat, ist ansprechbar. Mit dem neuen Jahr verbindet sich daher bei Christen auch der Vorsatz, Jesus immer wieder anzusprechen, ihn bei seinem Namen zu rufen, zu ihm zu beten.

Weltfriedenstag
Seit 1967 begeht die Kirche am Neujahrstag auch den Weltfriedenstag. Bei der Geburt Jesu singen die Engel: "Auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade" (Lk 2,14). Friede braucht zwar das entschiedene Handeln aller Menschen. Gleichzeitig ist er aber auch ein Geschenk, das niemand selber machen kann.. Wenn am ersten Tag des neuen Jahres Menschen für den Frieden beten, dann machen sie deutlich, dass es ihrer guten Vorsätze ebenso bedarf wie des Handelns Gottes.

Und was feiern wir nun am 1. Jänner?
Wie das Leben einem Geflecht aus vielen farbigen Fäden ähnelt und ein neuer Faden das Ganze verändert, so wirkt sich auch ein Neuanfang in einem Bereich auf das ganze Leben aus. Am 1. Jänner feiern wir deshalb, dass Gott mit jedem Einzelnen immer wieder neu beginnt und durch ihn die Welt verändert. Wer das Jahr unter den Segen Gottes stellen möchte, der betet zum menschgewordenen Gott und bringt ihn wie die Gottesmutter zur Welt. "Wo das geschieht, da geht Frieden aus, den die ganze Welt nötig hat.

Peter Schipka

 


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aktualisiert am 28-Dez-2007
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